Was genau ist die 1-Minuten-Regel?
Vor dem Jahr 2011 registrierten digitale Tachographen sofort „Lenkzeit“, sobald sich das Fahrzeug auch nur eine Sekunde innerhalb einer Minute bewegte. Das bedeutete: Ein kurzes Vorrücken um 5 Meter verbrauchte eine volle Minute Lenkzeit und – was noch schlimmer war – unterbrach eine tägliche Ruhezeit oder eine 45-Minuten-Pause.
Die 1-Minuten-Regel besagt, dass der Tachograph diejenige Aktivität für eine Kalenderminute registriert, die innerhalb dieser 60 Sekunden am längsten gedauert hat. Damit der Tachograph „Lenkzeit“ markiert, müssen Sie also mindestens 31 Sekunden innerhalb derselben Minute fahren. Wenn Sie den LKW 29 Sekunden lang bewegen und der Wahlschalter den Rest der Minute auf „Pause“ steht, zählt die gesamte Minute rechtlich als Ruhezeit.
Korrekte Anwendung im Jahr 2026
Um diesen „legalen Trick“ ohne Bußgelder durch das BALM zu nutzen, muss der Fahrer ein präzises technisches Verfahren befolgen:
- Wahlschalter auf Pause/Arbeit: Stellen Sie vor der Bewegung sicher, dass die vorherige Aktivität diejenige ist, die Sie beibehalten wollen.
- Kurze Bewegung: Führen Sie das Manöver (Vorrücken in der Schlange, Anpassen an der Rampe) in weniger als 29 Sekunden aus.
- Vollständiger Stillstand: Stoppen Sie das Fahrzeug komplett, bevor die 30. Sekunde erreicht ist.
- Warten: Warten Sie das Ende der aktuellen Minute ab, bevor Sie eine weitere Bewegung machen.
Gefahr bei alten Tachographen (G1)
Diese Regel gilt nur für Tachographen, die nach Oktober 2011 hergestellt wurden. Wenn Ihre Flotte noch über Altfahrzeuge verfügt, führt der Versuch, diese Regel anzuwenden, zu Bußgeldern wegen Ruhezeitunterschreitung. Im Jahr 2026 sollten diese Fahrzeuge bereits durch das obligatorische Retrofitting auf V2 umgerüstet sein.
Rechtssicherheit und BALM-Prüfung
Viele Fuhrparkleiter fürchten, dass die ständige Nutzung der 1-Minuten-Regel als Manipulation angesehen wird. Bei der Analyse der Tachographen-Dateien mit TachoTools können wir jedoch bescheinigen, dass diese Bewegungen legitim sind. Der Schlüssel liegt im Maß: Wenn ein Prüfer 20 aufeinanderfolgende Bewegungen von 29 Sekunden erkennt, könnte er eine vorsätzliche Fälschung der Lenk- und Ruhezeiten unterstellen.
Vorteile für das Transportunternehmen
Die Implementierung dieser Technik durch Fahrerschulungen wirkt sich direkt auf das Betriebsergebnis aus:
- Zeitgewinn: Auf Routen mit vielen Stopps (Verteilerverkehr) kann ein Fahrer zwischen 20 und 40 Minuten reale Lenkzeit pro Tag gewinnen.
- Vermeidung von Pausenunterbrechungen: Essenziell in überlasteten Ladezonen oder Warteschlangen (Stichwort: Fähr-/Zug-Regel).
- Schutz der Zuverlässigkeit: Da keine versehentlichen 1-Minuten-Lenkzeiten während der Ruhezeit registriert werden, bleibt das ERRU-Rating des Unternehmens sauber.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Effizienz ohne Risiko
Die 1-Minuten-Regel ist das mächtigste Optimierungswerkzeug für den modernen Fahrer. Ihre Anwendung ist kein „Austricksen“ des Systems, sondern die korrekte Nutzung geltender Normen zur Maximierung der Einsatzzeit. Mit TachoTools überwachen Sie die rechtssichere Anwendung dieser Technik und garantieren eine lückenlose Archivierung bei jeder BALM-Prüfung.