Haftung des Unternehmens bei Fahrer-Verstößen

Juristisch-technische Analyse 2026: Abgrenzung der Schuld, Gefährdungshaftung und Schutz der beruflichen Zuverlässigkeit (ERRU) gemäß GüKG.

RECHTSSCHUTZ GÜKG Aktualisiert: Februar 2026

Wer zahlt das Bußgeld, wenn der Fahrer gegen die Fahrpersonalverordnung verstößt?

Die rechtliche Antwort im Jahr 2026 ist eindeutig: Die verwaltungsrechtliche Haftung liegt primär beim Unternehmen als Inhaber der Güterkraftverkehrslizenz.

Im Transportsektor gibt es für den Unternehmer bei Lenkzeitüberschreitungen oder Ruhezeitunterschreitungen faktisch keine „Unschuldsvermutung“. Die Behörden (BALM/BAG und Polizei) wenden gestützt auf das GüKG das Prinzip der Halterhaftung bzw. Unternehmerverantwortlichkeit an. Das bedeutet: Begeht Ihr Fahrer einen Verstoß, wird der Bußgeldbescheid in der Regel an das Unternehmen adressiert. Der einzige Weg, Sanktionen abzuwenden, ist der Nachweis der gebotenen Aufsichtspflicht: Schulungsnachweise, regelmäßige Downloads der .DDD-Dateien und eine lückenlose Dokumentation von Fahrerbelehrungen. Ohne digitale Analyse ist das Unternehmen rechtlich schutzlos.

Wichtiger Hinweis: Ein einziger „schwerster Verstoß“ (VSI) eines Fahrers kann das Verfahren zum Entzug der beruflichen Zuverlässigkeit einleiten.

Kapitel 1: Das Prinzip der Unternehmersorgfalt nach GüKG

Das **Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG)** legt fest, dass der Unternehmer für die Organisation der Arbeit verantwortlich ist. Dies bricht mit der Logik des allgemeinen Strafrechts, wo nur der Täter haftet. Im Transportrecht wird die Schuld auf den Inhaber des wirtschaftlichen Betriebs übertragen.

Im Jahr 2026 wurde dieser Rahmen verschärft. Es wird präsumiert, dass der Arbeitgeber die Touren so planen muss, dass die Lenk- und Ruhezeiten unter allen Umständen eingehalten werden können. Verstöße werden daher als Mangel in der betrieblichen Organisation gewertet, es sei denn, das Gegenteil wird bewiesen.

1.1. Die Überwachungspflicht des Verkehrsleiters

Der Verkehrsleiter ist der gesetzliche Garant für die Einhaltung der Vorschriften. Mit dem Smart Tachograph V2 muss diese Überwachung proaktiv erfolgen. Die Ausrede „davon habe ich nichts gewusst“ ist rechtlich nicht mehr haltbar, da Remote-Download-Systeme (DSRC) Verstöße nahezu in Echtzeit sichtbar machen.

Kapitel 2: Das Risiko für ERRU und die Zuverlässigkeit

Über das rein finanzielle Bußgeld hinaus (welches nach dem Bußgeldkatalog 2026 bis zu 5.000 € betragen kann) ist das ERRU-System (European Register of Road Transport Undertakings) die größte Bedrohung.

Verstoß des Fahrers Rechtliche Einstufung Folge für das Unternehmen
Lenkzeitüberschreitung > 20% VSI (Schwerst) Unmittelbare Prüfung der Zuverlässigkeit.
Unterschreitung Ruhezeit MSI (Schwer) 3x MSI = Hochstufung zu VSI (Lizenzgefahr).
Fehlerhafter Ländercode SI (Geringfügig) Geldbuße und erhöhtes Kontrollrisiko.

Kapitel 3: Wie kann sich das Unternehmen entlasten?

Das Gesetz erlaubt eine Exkulpation (Entlastung), wenn das Unternehmen nachweist, dass der Verstoß vorsätzlich durch den Fahrer und gegen ausdrückliche Anweisung begangen wurde. Ein erfolgreicher Einspruch im Jahr 2026 stützt sich auf drei Säulen:

  • Schulungsplan: Nachweise über die Einweisung des Fahrers in die Bedienung des Zeitgruppenschalters.
  • Daten-Audit: Belege, dass das Unternehmen Daten alle 28 Tage ausliest und monatliche Fehlerberichte erstellt.
  • Disziplinarmaßnahmen: Kopien von schriftlichen Abmahnungen oder Belehrungen nach vorherigen Verstößen.

Kapitel 4: Manipulation und strafrechtliche Relevanz

Bei Manipulationen (Magnet, Software-Eingriff) endet die Ordnungswidrigkeit und das Strafrecht beginnt. In Deutschland kann dies als Fälschung technischer Aufzeichnungen (§ 268 StGB) gewertet werden. Neben Bußgeldern von 5.000 € drohen Geschäftsführern Freiheitsstrafen. Ohne forensisches Kontrollsystem gilt das Unternehmen im Jahr 2026 oft als Mitwisser durch Unterlassen.

Expertenmeinung: Die Daten als Lebensversicherung

Als Spezialisten für Transportrecht ist unsere Position klar: **Der Datendownload ist kein lästiger Termin, sondern Ihre Verteidigungslinie.** Die meisten Unternehmen verlieren ihre Lizenz nicht durch böse Absicht, sondern weil sie keine Beweise für ihre Aufsichtstätigkeit haben.

Unsere Empfehlung: Nutzen Sie ein System zur präventiven Auditierung, das Sie am Tag des Verstoßes warnt. Eine zeitnahe Belehrung ist die einzige „Impfung“ gegen BALM-Betriebsprüfungen. Ein Prüfer sucht nicht nach dem Schuldigen, sondern nach einem Unternehmen, das seine Prozesse nicht im Griff hat.

Kann ich das Bußgeld vom Lohn abziehen?

In Deutschland ist dies arbeitsrechtlich problematisch. Das Unternehmen muss die administrative Buße zahlen. Ein Regress gegenüber dem Fahrer ist nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz über den Zivilweg möglich.

Präventions-Protokoll

Führen Sie wöchentliche Stichproben durch. Das Erkennen eines Fehlmusters in der ersten Woche spart Ihnen die kumulierte Strafe von 2.000 € am Monatsende.

Dieses Handbuch wird regelmäßig basierend auf der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und BALM-Richtlinien aktualisiert. TachoTools sorgt dafür, dass Ihre Daten Ihr bester Verteidiger sind.

Risikomanagement

Ist Ihr Betrieb gegen Fahrerfehler abgesichert?

TachoTools generiert die Kontrollberichte, die Behörden fordern, um ein Unternehmen von der Haftung zu befreien.