Kapitel 1: Was ist das Mobilitätspaket I und welche Reichweite hat es?
Das EU-Mobilitätspaket I ist eine Gesetzessammlung zur Harmonisierung der sozialen und operativen Bedingungen im Verkehrssektor. Die Anwendung erfolgt direkt über die Verordnung (EG) Nr. 561/2006 und die Verordnung (EU) Nr. 165/2014. Im Jahr 2026 stützt sich die Durchsetzung auf den verbindlichen Nachrüst-Zeitplan, der sicherstellt, dass alle international eingesetzten Fahrzeuge über authentifizierte Geolokalisierung (Galileo OSNMA) verfügen.
Kapitel 2: Die vier Säulen der europäischen Reform
Die Normen erzwingen technische und operative Restriktionen, die die grenzüberschreitende Logistik neu definieren:
- Wochenruhezeit: Striktes Verbot, die 45h-Ruhezeit in der Kabine zu verbringen. Das Unternehmen muss für eine angemessene Unterkunft aufkommen.
- Rückkehr des Fahrers: Pflicht zur Arbeitsorganisation, bei der der Fahrer alle 4 Wochen an seinen Wohnsitz oder die Betriebsstätte zurückkehrt.
- Cooling-off-Phase: Nach 3 Kabotage-Fahrten innerhalb von 7 Tagen muss das Fahrzeug 4 Tage warten, bevor es wieder im selben Land tätig werden darf.
- Mindestlöhne: Verpflichtung zur Zahlung des Mindestlohns des Landes, in dem die Dienstleistung erbracht wird (ausgenommen reiner Transit).
| Häufiger Verstoß | EU-Vorschrift | ERRU-Einstufung |
|---|---|---|
| Grenzübertritt nicht registriert | VO (EU) 165/2014 | Schwerster Verstoß (VSI) |
| 45h-Pause im Fahrzeug | VO (EG) 561/2006 | Schwerster Verstoß (VSI) |
| Fehlende Rückkehr (8 Wochen) | VO (EU) 2020/1055 | Schwerer Verstoß (MSI) |
Kapitel 3: Der Smart Tacho V2 als Kontrollinstrument
Das Mobilitätspaket wäre ohne Digitalisierung nicht durchsetzbar. Der Smart Tachograph der 2. Generation registriert automatisch die Position bei jeder Be- und Entladung sowie bei jedem Grenzübertritt. Diese Transparenz erlaubt es dem BALM bei einer Betriebsprüfung, die Einhaltung der Kabotage-Regeln durch Analyse der Massenspeicherdaten (.TGD) metergenau zu verifizieren.
Sorgfaltspflicht und Sanktionsprävention
Im Jahr 2026 haftet das Unternehmen gesamtschuldnerisch für die Verstöße des Fahrers. Der Nachweis, dass Sie TachoTools für wöchentliche Audits der Lenkzeiten nutzen, ist der einzige Weg, die Haftung zu begrenzen. Proaktive Kontrolle ist Ihre beste Verteidigung.